Der Ratz

Veröffentlicht auf von acron

Auf dem Misthaufen des Bauernhofes gegenüber wurde ein Ratz erschlagen. Sechs Männer jagten das Tier mit Pickeln, Mistgabeln und Hacken. Das halbe Dorf stand im Kreis um die Männer herum, ebenfalls mit Ackergeräten bewaffnet und bildete einen engen Wall. An eine Flucht war nicht zu denken. Doch mit einem Mal war es weg, verschwunden im Mist, der hauptsächlich aus Stallstroh und Fäkalien bestand. Der Bauer hieb hinein in den Mist mit der Mistgabel, zog sie heraus, und nun sah man den Ratz daran hängen. Er war mitten durch den Leib aufgespießt, zappelte und schrie entsetzlich. Die Frauen und Kinder, die in der Menge standen, kreischten laut auf. Der Bauer schlug die Forke auf den Boden, um das Tier zu erschlagen. Auch die anderen Männer hieben mit ihren Geräten auf das sterbende Tier ein. Doch es fuhr fort, zu zucken und schreien. 


„Stirb endlich, Scheißvieh, elendigs!“ rief der Bauer.


Noch ein zwei Zuckungen, und das Tier war still, bewegte sich nicht mehr. Alles zitterte und schauderte ob der vollbrachten Tat, drehte sich um und schickte sich an, zu gehen. Da schob sich der Ratz von der Spitze, die ihn durchbohrt hatte und sprang davon. Er kam nicht weit. Die Männer liefen ihm nach und droschen erneut auf ihn ein, bis er tatsächlich tot war. Einer der Männer drehte ihn mit dem Schuh um. Da lag er auf dem Rücken, sein langer Schwanz auf dem Erdboden ausgestreckt, lag da wie ein geriffelter Stock, fein säuberlich aus Holz geschnitzt, als gehörte er nicht zu ihm. Der Mann schlug nun noch ein paar mal mit der Hacke auf das tote Tier und sagte: 


„Sicher ist sicher! Man weiß ja nie!“


Dann packte er es am Schwanzende und warf es oben auf den Misthaufen. Sein Körper wirbelte durch die Luft und schlug mit einem schweren Klatsch auf dem Stroh auf. Die Menge zerstreute sich endgültig, mit dem Gefühl der Befriedigung, etwas Wichtiges geleistet zu haben. 

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ed 01/14/2011 19:20


Toller Texte!!!!