Schneewärts

Veröffentlicht auf von acron

Fränkische Schweiz. Zehn Jahre nach dem zweiten Weltkrieg lebt Jockel mit seinem Vater Andres, einem Forstmeister und der französichen Haushälterin Lorraine im Forsthaus am Waldrand. Seine Mutter ist bei seiner Geburt gestorben. Er befreundet sich mit Betti, die ein Jahr jünger ist als er. Intelligenter als die anderen Kinder, aber stark kurzsichtig und schielend, ist sie der Sündenbock ihrer Mitschüler. Sie schreibt Gedichte, ist mondsüchtig und wird in ihren Träumen von unerklärlichen Ängsten heimgesucht.
Eines Nachts verlässt sie das Haus und wird anderntags im nahe gelegenen See tot aufgefunden. Auch Jockel stirbt, und Lorraine erleidet eine Fehlgeburt. Sie verlässt Deutschland und Andres. Er sucht sie, beginnt zu trinken. Als er sie nach Jahren wieder findet, ist er nicht mehr der alte. Ein Schlaganfall hat ihn zum Frührentner gemacht. Doch auch bei ihr hat sich einiges geändert.



Leseprobe

Teil Eins - Nachtfrost

 

 

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Früher war Krieg, sagte die Großmutter. Früher war erst vier Jahre vorbei, als Betti geboren wurde. Auch der Vater war wohl im Krieg gewesen und lange in einem „Lager“, wie sie die Leute sagen hörte, eingesperrt. Als Betti eingeschult wurde, waren viele Männer noch in Gefangenschaft und nicht wieder heimgekehrt. Sie waren entweder vermisst oder noch in den jeweiligen Strafgefangenenlagern, der mittlerweile wieder alliierten Staaten, gegen die noch wenige Jahre zuvor erbittert gekämpft worden war. Allmorgendlich vor Unterrichtsbeginn mussten die Kinder neben ihren Plätzen stehen, den Blick auf das große Holzkreuz über der Eingangstüre gerichtet und gemeinsam ein Gebet aufsagen. Man bat den lieben Gott um das tägliche Brot, um Vergebung der Sünden, um Gnade für die Vermissten, um rasche Heimkehr der Inhaftierten und ewige Ruhe für die Gefallenen. Jockel liebte dieses Gebet. Mittlerweile hatte die Lehrerin Betti nach vorne geholt und ihr einen Platz in der ersten Reihe zugewiesen. Dort saß sie zwar immer noch allein in der Bank, doch konnte sie nun auch nicht mehr geärgert werden, wenn sie zur Tafel zitiert wurde. Direkt über dem Gang neben ihr, auf der Seite der Jungen saß Jockel neben seinem besten Freund Schorschi, und nur der schmale Durchgang zwischen den Stuhlreihen trennte ihn nun noch von Betti. Beim Gebet jedoch standen sie direkt nebeneinander. So klein und schmal die beiden waren, berührte er doch mit seinem Arm den ihren; er rückte einfach mit einem großen Schritt an sie heran. Zu seinem Leidwesen jedoch schien sie diesen Umstand nicht zu bemerken. Die braunen Hände gefaltet, blickte sie starr nach oben zum Kreuz und sprach ihr Gebet. Jockel hingegen schielte zu ihr hin. Er sah die durchsichtige Haut ihrer Schläfen, er sah darunter bläulich ihre Adern schimmern und das zuckende Klopfen ihres Pulses. Dabei dachte er an seine Mutter. Im selben Augenblick, als er seinen ersten Schrei getan hatte, hatte sie gelächelt und dann die Augen für immer geschlossen. Noch bevor die Hebamme in ihrem Auto mit quietschenden Reifen vor dem Haus angelangt war, hatte das Herz der jungen Frau zu schlagen aufgehört. Das klopfende Pulsieren ihres Blutes war versiegt und hatte den Blick nach innen gekehrt in ihre neue stille Welt, an der niemand mehr teilhaben konnte. Jockels Atem hatte den ihren abgelöst. Als man sie aufgebahrt hatte, war noch immer das Lächeln auf ihrem Gesicht, als hätte sie geschlafen; sie hatte das Lächeln mit ins Grab genommen. Jockel kannte die Geschichte. Sein Vater hatte sie ihm erzählt. Immer und immer wieder wollte er sie hören und war dann nah bei ihr, die er lediglich von Fotografien kannte. Ihr lebloser Körper war nach Frankreich überführt und dort beerdigt worden. Jedesmal, wenn er und Andres bei ihrer Familie weilten, besuchten die beiden auch ihr Grab, und wie durch ein Wunder hatten die beiden mit einem Mal ein Lächeln in ihren Gesichtern, das, davon war Jockel überzeugt, die Mutter hinein gezaubert hatte. Und jedes Mal, wenn er nun, seinen Arm an den ihren gedrückt, neben Betti stand, sein Gebet aufsagte und ihr klopfendes Leben unter der dünnen Schläfenhaut sah, bat er seine Mutter: 


„Zaubere ein Lächeln in ihr Gesicht! Zaubere sie glücklich!“




Teil Zwei - Das weiße Licht

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Als es klingelte, ging sie zur Türe, öffnete sie und versuchte, mit der Hand die Augen vor dem gleißenden Tageslicht beschirmend, ihr Gegenüber zu erkennen. Es dauerte eine Weile, bis sich in dem Gesicht Bekanntes von Fremdem löste, ein gelber Fleck auf der braunen Iris, das minimale Blähen eines Nasenflügels, ein Zucken des beinahe wimperlosen Lids und nicht zuletzt der leichte Aufwärtsschwung des linken Mundwinkels, der ein zaghaftes Lächeln signalisieren sollte. 

Rechtsseitig war nicht die geringste Bewegung in diesem Gesicht wahrzunehmen. Der Mund hing schlaff herunter, darüber schlackerte das Wangenfleisch mit der darin schwimmenden Höhle, in der ein totes Auge dennoch gespenstisch unbestechlich, Strenge zu blicken schien. Und nun erkannte sie den Mann und presste sich die Hand vor den Mund. Er registrierte den Schrecken der Frau, die ihm da gegenüber stand. Wäre er seinem ersten Impuls gefolgt, hätte er sich wohl auf der Stelle umgedreht und wäre davon gerannt. Die Stufen der schmalen Außentreppe, die er so mühsam erklommen hatte, waren steil und hatten ihm, der sich ohnedies mit dem Gehen schwer tat, den Aufstieg nicht gerade erleichtert. Selten hatte er sich so elend gefühlt wie im Augenblick; und auch wenn er sich des unvorteilhaften Anblicks, den er ihr bot, vorher bewusst gewesen war, schmerzte ihn ihre Reaktion. Naturgemäß hatte auch sie sich verändert. Doch war sie noch immer eine reizvolle Frau, deren Schönheit sich ihm ins Gedächtnis gebrannt hatte und in seiner Vorstellung begleitete, seit sie ihn damals verlassen hatte. Immer und immer wieder hatte er von dem Moment geträumt, in dem er sie endlich wieder sehen würde. Sie in die Arme nehmen, seinen Mund auf den ihren pressen, sie küssen, ein Traum, der ihm nun, da er vor ihr stand, fast absurd erschien. Sein einziges Augenlid, das der Bewegung noch fähig war, zuckte plötzlich unaufhörlich, als wäre der Veitstanz hinein gefahren und eine Träne stahl sich darunter hervor. Sie sahen sich an. Beide sagten nichts. Er hatte keine Ahnung gehabt, wie der erste Augenblick des Wiedersehens aussehen sollte; aber so hatte er ihn sich gewiss nicht vorgestellt. Da öffnete sie ihm die Türe weit und ließ ihn eintreten. Dann zog sie diese hinter sich ins Schloss und folgte ihm. 



Teil Drei - Joélle

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Ich bin Joèlle. Joèllie, wie man mich meistens nennt. Meine Mutter sagt meistens Jou Jou, aber es gibt nichts, was ich mehr hasse, als Jou Jou genannt zu werden. Mein ganzes Leben lang hatte ich das Gefühl, auf der Flucht zu sein. Das heißt, ich hatte ständig das Gefühl, dass meine Mutter auf der Flucht ist und mich einfach nur mitschleppt. Als ich noch ein Kind war, habe ich mir immer Geschichten ausgedacht, in denen sie eine Verbrecherin ist, die von der Polizei gejagt wird, aber eigentlich hat kein Verbrechen wirklich zu ihr gepasst. Höchstens beim Kochen vergiften. Ich sehe sie lesen oder schreiben oder kochen oder auf dem Markt, was zum Kochen einkaufen. Ich dachte, vielleicht hat sie ja einen Kugelfisch in Japan zubereitet und irgend ein hoher Minister, oder ein Freund vom Kaiser - haben die überhaupt einen Kaiser? - ist daran gestorben, und bevor meine Mutter hingerichtet werden konnte, hat ihr jemand, der in sie verliebt war, zur Flucht verholfen. Ich habe mir vorgestellt, dass der Typ, also der, der in meine Mutter verliebt war, immer bei ihr in der Küche rum hing und ihr beim Kochen zuschaute. Das ist oft vorgekommen. Immer wieder gab es irgendwelche Idioten, die in meine Mutter verknallt waren und sie beim Kochen angehimmelt haben. Meine Mutter hat zwar Klasse ausgesehn, sieht immer noch toll aus, aber sie hat alle abblitzen lassen. Ich kann mir meine Mutter einfach nicht mit einem Mann vorstellen. Aber einen Mann muss sie gehabt haben, so viel steht fest. Schließlich bin ich ja geboren worden. Manchmal habe ich mir auch vorgestellt, dass sie mich nur geklaut hat, entführt und deshalb auf der Flucht ist. Dann habe ich mir vorgestellt, wie meine richtige Mutter aussehen könnte. Einmal habe ich im Bus, als ich mittags aus der Schule kam, ein Ehepaar gesehen und gedacht, das könnten meine Eltern sein. Ich habe mir vorgestellt, dass das meine Eltern wären und mich derart hinein gesteigert, dass es fast so etwas wie eine absurde Realität wurde. Und als die beiden ausgestiegen sind, bin ich einfach mit ausgestiegen und neben ihnen her gelaufen. Die beiden haben einen Bekannten auf der Straße getroffen, sind stehen geblieben und haben sich mit dem unterhalten. Da bin ich auch stehen geblieben und habe den Typ angelächelt. Aber „meine Eltern“ haben das noch gar nicht mitgekriegt. Erst als der andere gesagt hat: 

„O, Fabi, deine Tochter sieht dir sehr ähnlich!“, haben sie mich gesehen und gesagt: 

„Das ist nicht unsere Tochter.“

Aber da habe ich so getan, als würde ich eine bestimmte Straße suchen, habe sie gefragt und bin dann weg gegangen. Seltsamer Weise habe ich dann die Straße gesucht, nach der ich gefragt habe und noch eine Weile da gestanden, bis ich wieder zurück bin zur Haltestelle und mit dem nächsten Bus in unser Dorf gefahren. Meine Mutter hat schon auf mich gewartet und war völlig aufgelöst. Sie hat immer eine wahnsinnige Angst um mich gehabt. Sie hat immer gedacht, dass ich entweder überfallen werde, oder überfahren, oder dass ich irgendwas ungesundes esse, mich übergebe, auf dem Rücken liege und ersticke. Lauter so ein Zeug hat sie sich ausgemalt. Furchtbar! Ich glaube, es hat nie ein Kind gegeben, das so wenig durfte, wie ich. Ich habe sie immer nur angelogen. War klar. Wenn ich gesagt hätte zum Beispiel: Ich treffe mich mit einem Freund, dann hätte sie alles von ihm aus mir heraus gequetscht. Einmal habe ich das gesagt, dass ich mich mit einem Freund treffe. In den war ich ziemlich verliebt. 

Also sie: „Wie heißt denn der junge Mann?“ Junger Mann! Der Alain war damals sechzehn. 

Ich sage: „Alain!“ 

Sie: „Geht er in deine Schule?“ 

Ich: „Nein, er geht in die ecole nationale!“

Die war nicht so fein wie unsere Schule. Aber das war nicht so schlimm. Meine Mutter war immer links. Politisch. Und wir haben uns immer mit der Arbeiterklasse solidarisiert. Das waren schließlich die Grundfesten von La France. Freiheit Gleichheit und Brüderlichkeit. Aber vor allem Solidarität. Jedenfalls hat sie mich dann als nächstes gefragt, was seine Eltern machen. Und ich habe gesagt, die Mutter putzt im Gemeindeamt und bei ein paar Privatleuten, und sein Vater fährt mit dem LKW und transportiert Käse nach Italien und in die Schweiz. Da hat sie vielleicht ein Drama gemacht. Sie wollte die Leute unbedingt kennenlernen, von wegen Solidarität mit der Arbeiterklasse und so weiter. Aber am schlimmsten war, dass sie mich unbedingt hinbringen wollte; und zwar nicht nur zur Bushaltestelle, sondern bis dahin, wo ich mit ihm verabredet war, um den „jungen Mann“ kennen zu lernen. Das war gräßlich. Der Alain hatte nämlich ein Mofa, und wir wollten mit Aliette und Robert auf eine Party, und ich bin mit meiner Mutter gekommen. Der arme Alain! Meine Mutter hat ihm ein derartiges Loch in den Bauch gefragt. Zum Kotzen. Auch nach Drogen hat sie ihn gefragt. Aber er war schlau und hat gesagt, er trinkt nicht und raucht nur ganz wenig, weil seine Mutter Alkoholikerin ist und sauer, wenn die Gardinen gelb werden. Und dann hat meine Mutter gefragt, ob er denn sein Mofa stehen lässt. Da habe ich ihm einen Stubs gegeben, damit er nicht sagt, dass wir mit dem Mofa auf die Party fahren und dass ich hinten drauf sitze. Aber dann sind Robert und Aliette auf dem Mofa gekommen, und meine Mutter hat darauf bestanden, dass die Mofas stehen bleiben und uns mit dem Auto zur Party gefahren. Peinlich, peinlich! Meine Mutter wollte immer seine Mutter retten, vom Alkoholismus befreien, ihr zu einem neuen Lebenssinn und Mut als Frau verhelfen, und ich fand das Ganze nur absolut daneben. Irgendwann mal hat die Mutter von Alain dann bei uns das Haus geputzt. In ihrer Schürze hatte sie immer einen Flachmann mit Schnaps drin versteckt. Einmal war eine Wasserflasche im Kühlschrank, und wie ich so richtig Durst hatte, habe ich einen kräftigen Schluck genommen. Bevor ich gemerkt habe, dass das kein Wasser sondern Schnaps war, hatte ich die Hälfte schon abgeschluckt. Da war meine Mutter sauer. So groß war die Solidarität dann doch nicht. Und als ich in einen anderen verliebt war, hat auch Alains Mutter nicht mehr lange bei uns geputzt. Danach habe ich sie immer angelogen. Ich habe ihr gesagt, dass ich mich mit Pauline zum Lernen treffe. Da hat sie mich auch hingefahren und gewartet, bis ich bei Pauline im Haus verschwunden war; vorher ist sie nicht gefahren. Entweder war ich mit meinem neuen Freund bei Pauline verabredet, oder ich bin nach fünf Minuten, wenn meine Mutter schon weg war, wieder raus, habe mich von Pauline verabschiedet und bin zu Pierre. Pauline war natürlich eingeweiht. Einmal hat Lorraine mich in der Stadt gesehen. Mit irgend einem Freund, wahrscheinlich Christian, da hat sie ein Mords Theater gemacht, von wegen Vertrauen und so weiter. Aber dann habe ich es bereut, und alles war wieder gut. Einmal habe ich ihr gesagt, dass mein Freund Pierre keine Eltern mehr hat, ein armes Waisenkind, aber sie kannte seine Familie und war, wie sie sagte: „bestürzt.“ Und einmal habe ich sie besonders derb angelogen. Charles. Ich habe ihr gesagt, dass seine Mutter eigentlich eine Hure ist und früher im Bordell angeschafft hat, aber nun, nachdem ihr ein Freier ein Auge ausgestochen hat, im Bordell nur noch als Putzfrau arbeitet. Da war sie schockiert. 

„Und sein Vater?“ wollte sie wissen. 

„Der ist Türsteher vor dem Bordell.“ habe ich ihr gesagt. Und weil ich besonders frech sein wollte, habe ich noch gesagt: „Schwanzkontrolle!“ 

Das fand sie, glaube ich, nicht so berauschend. Aber es hat Spaß gemacht. Nur schade, dass der Vater von Charles der Chefarzt im Krankenhaus war. Und irgendwann einmal habe ich Nasenbluten gehabt, und sie hat mich im Geiste schon wieder im Grab gesehen und ist mit mir zum Krankenhaus gefahren, damit ich gerettet werde, und da kam er zur Türe raus. Mein Nasenbluten war schon längst weg, aber sie wollte das abklären lassen. Als ich Charles Vater zur Türe rauskommen sah, habe ich meinen Kopf zur Seite gedreht und so getan, als würde ich ihn nicht sehen, aber er hatte mich schon erkannt und ist auf mich zu gestochen. 

„Aurelie! Wie schön, dich zu sehen! Ist das deine Pflegemutter? Eine reizende Frau!“ 

Ich bin fast gestorben. Dann hat der Vater von Charles zu meiner Mutter gesagt: 

„Wissen Sie, ich bin der Vater von Charles. Auch er hat vor zwei Jahren durch einen tragischen Unfall seine Mutter verloren. Wie gut es die kleine Aurelie doch hat, eine so reizende Stiefmutter gefunden zu haben. Wo doch ihr Vater in China an einem Forschungsprojekt arbeitet und kaum Zeit für das arme Kind hat!“ 

Also, wenn meine Mutter geschockt war, dann hat sie sich das nicht anmerken lassen. Aber am nächsten Tag hat sie ihn angerufen und aufgeklärt. Dann hat Charles Schluss mit mir gemacht. Das war mir sehr peinlich. Meine Mutter hat mich dann zu einer Therapeutin geschleppt, die ihr der Vater von Charles empfohlen hat, aber die war total unfähig. Zu gutgläubig. Der konnte man noch mehr Unsinn erzählen. Die hat irgendwie alles geschluckt. Die ist richtig heiß geworden, als ich ihr gesagt habe, dass mein Vater mich immer so angefasst hat und meine Mutter ihn deshalb verlassen hat. Ich habe dabei sogar geweint. Das ging ganz von alleine, als wäre das auch wirklich so gewesen. Und sie ist voll darauf abgefahren. Das hat ihr gefallen, aber als sie dann mehr wissen wollte und ihr Tonband angestellt hat, ist mir das zu mulmig geworden, und ich habe ihr erzählt, dass ich mich gar nicht mehr richtig erinnern kann. Aber seitdem hätte ich meinen Vater auch nicht mehr zu Gesicht bekommen. Als ich das sagte, habe ich plötzlich gedacht: Na klar, das ist es, deshalb habe ich keinen Vater. Sie hat ihn umgebracht! Deshalb ist sie auch auf der Flucht! Ich habe gedacht, dass ich jetzt gar nichts mehr sage, sonst verrate ich sie und dann wird sie geschnappt, und überhaupt habe ich schon viel zu gefährliche Sachen gemacht; denn wenn sie jetzt geschnappt würde, dann nur, weil ich sie angelogen habe. Ich bin dann nicht mehr zur Therapie gegangen. Ich habe mich hin bringen lassen, ein bisschen im Flur gewartet und bin dann abgehauen. 

    

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Ronald Lang 02/16/2009 13:37

Sehr interessant und gut geschrieben. Besonders im dritten Teil, der von der Tochter erzählt wird. Gefällt mir sehr gut, die subjektive Perspektive. Nun habe ich eine Frage: Wo kann ich das Buch kaufen. Im Buchhandel habe ich es nicht gefunden, bin aber sehr daran interessiert.