Mord an Tookey Williams

Veröffentlicht auf von acron

Tookey Williams ist in Kalifornien wegen vierfachen Mordes hingerichtet worden. Er hat bis zuletzt seine Unschuld beteuert. Gouverneur Schwarzenegger, ein Österreicher der untersten Gesellschaftsschicht, der es weit gebracht hat, von Beruf Bodybuilder und Mister World, nahm gerade dies als Grundlage für die Ablehnung des Gnadengesuchs: Da er die Tat bestreitet fühlt er keine Reue. Das ist nicht unlogisch; hätte man Schwarzenegger so gar nicht zugetraut. Allerdings hätte Williams nur wenn er den Mord begangen hätte, Grund zur Reue gehabt und somit eine Voraussetzung für Gnade. Gnade wäre also allenfalls dem Mörder zuteil geworden. 

Tookey Williams war Afroamerikaner, schwarz, chancenlos im Slum aufgewachsen. Er wurde kriminell. Im Gefängnis schrieb er Kinderbücher, deren Botschaft die Abkehr von der Gewalt war. Er wusste, wovon er sprach. Er kannte die Gewalt. Er kannte sie aktiv und passiv. Die Kinder fühlten sich von ihm verstanden und verstanden ihn. Seine Botschaft erreichte die Menschheit in einem so hohen Maß, dass er mehrfach sogar für den Literatur- sowie den Friedensnobelpreis vorgeschlagen wurde. Und dann ist er hingerichtet worden. 

Nachdem seine Anwälte neue Erkenntnisse vorlegen wollten, um seine Unschuld zu beweisen, an denen man nicht mehr interessiert war, hat man dem Mann Gift durch die Adern gejagt um ihn für immer zum Schweigen zu bringen. Und die Menschheit hat zugesehen. Ich habe ihn gesehen. Auf die Bahre geschnallt, auf den Tod wartend. 
Ich dachte an die schlangenköpfige Medusa, der jedes Mal, wenn ihr einer ihrer verheerenden Köpfe abgehauen wurde, ein neuer wuchs. Ich dachte an die Büchse der Pandora. Als die Büchse der Pandora geöffnet war, war die Menschheit dem Untergang geweiht. Denn auch die Gewalt war in ihrer Büchse gewesen, als eines der Grundübel. Nun war die Gewalt, die bislang den Göttern vorbehalten war, in der Welt; und als man sie mit Gewalt zerstören wollte, spaltete sie sich auf und wurde zu zwei Gewalten. Diese wurden, je mehr man versuchte, sie gewaltsam zu bekämpfen, zu vielen vielen Gewalten, denn aus jeder einzelnen Gewalt wurden zwei. 

Man zwingt keinen Menschen mit Gewalt zu Gewaltlosigkeit, denn die Gewalt wird durch die gewaltsame Vermittlung verinnerlicht. Sie wird rechtfertigt und als Mittel manifestiert. Mit Gewalt erreicht man keinen Frieden, nur mit der Aufgabe der Gewalt; und zwar jetzt und hier, ohne Umkehr und ohne Zwang, einzig aus der Entscheidung zur Gewaltlosigkeit heraus, denn Zwang ist nur ein anderer Name für die Gewalt. Deshalb ist die Todesstrafe nicht sinnlos, sondern die Gewalt vervielfachend. Wenn dies den Politikern, die in ihrer Gesetzgebung die Todesstrafe verankert haben, nicht bewusst ist, ist ihre Ignoranz ein nicht unwesentlicher Quell der Gewalt und der gesellschaftlichen Verrohung. Nehmen sie die Gewalt als Folgeerscheinung ihrer Macht und in Abwägung mit dem Erhalt derselben in Kauf, sind sie Zyniker die zumindest einer demokratischen Gesellschaftsordnung nicht vorstehen dürften. Wenn die Gewalt allerdings von ihnen gewollt ist, um ihre Stellung unumschränkt zu demonstrieren, sind sie die wahren Schuldigen. Sie sind die Instanz der Gewalt. Sie sind die Gewalt. Sie sind es, die ihrer eigenen Gesetze gemäß die Todesstrafe verdient hätten. Denn sie sind die Mörder. Sie sind diejenigen, die die Demokratie verunglimpfen, zur Farce erklären, sich ihrer in Leibeigenschaft bedienen, willkürlich damit verfahren und sie damit ad absurdum führen.

Fazit: Gewalt ist Macht und bleibt einigen wenigen vorbehalten. Sie definieren sich über die Macht, respektive die Gewalt, die einzig von ihnen ausgeübt werden darf und wissen das Recht auf ihrer Seite, wenn sie die Gewalt der Unbefugten mit Gewalt ahnden. Sie haben das Recht installiert und glauben, es brechen zu dürfen. Gewalt bleibt das Mittel zur Macht, das den Willen zur Macht impliziert. Und der Mächtige hat doch wohl noch das Recht, sich zu wehren. Schließlich wehrt sich ein jeder, dem man sein Eigentum streitig macht. Und Demokratie liegt (mit Füßen getreten) als Auslegware in der Wohnstube der Macht, in der ein österreichischer Tropf die unverdienten Insignien seines unaufhaltsamen Aufstiegs genießt und stolz denkt: Wer hätte das gedacht, dass ich es jemals so weit bringen kann?

Bleibt die Frage: Wer ahndet den Mord an Tookey Williams?
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